Der Eichenprozessionsspinner (EPS) breitet sich bundesweit aus. Gefährlich ist nicht der Falter, sondern seine Raupen: Ab dem dritten Larvenstadium tragen sie Hunderttausende feine **Brennhaare** mit dem Nesselgift Thaumetopoein: ein Gesundheitsrisiko für Mensch und Tier. So erkennen Sie EPS und reagieren richtig.
Was ist der Eichenprozessionsspinner?
Der Eichenprozessionsspinner (Thaumetopoea processionea) ist ein nachtaktiver Falter, der vor allem Eichen befällt. Namensgebend sind die Raupen, die in langen „Prozessionen" Kopf an Kopf den Stamm hinaufwandern.
Die Gefahr sind ihre Brennhaare: Ein einzelnes Nest enthält Hunderttausende davon. Sie brechen leicht ab, fliegen mit dem Wind und wirken noch in einiger Entfernung.
Eichenprozessionsspinner erkennen: die Merkmale
Achten Sie ab dem späten Frühjahr an Eichen auf:
- Gespinstnester an Stamm und Astgabeln: weißlich-grau, kompakt, faust- bis fußballgroß.
- Prozessionen wandernder Raupen in langen Reihen.
- Raupen mit dunkler Rückenlinie und langer weißlicher Behaarung (3 bis 4 cm).
- Kahlfraß an der Krone.
Nicht verwechseln: Die harmlose Gespinstmotte überzieht ganze Sträucher mit weiten Schleiern. EPS-Nester sind dicht, kompakt und sitzen an Eichen.
Wann ist EPS am gefährlichsten? Der Jahresverlauf
Das Risiko folgt dem Lebenszyklus:
- April/Mai: Raupen schlüpfen, noch ohne Brennhaare.
- Ab 3. Larvenstadium (Mai/Juni): Brennhaare bilden sich, ab jetzt gesundheitsgefährlich.
- Juni bis August: Höchste Gefahr; in den Nestern bleiben Häutungsreste voller Brennhaare zurück.
- Ganzjährig: Alte, leere Nester bleiben über Jahre giftig.
Bekämpfung wirkt am besten früh, vor dem dritten Larvenstadium.
Gesundheitsgefahr: Was die Brennhaare auslösen
Die Brennhaare enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Bei Kontakt, direkt oder über die Luft:
- Haut: Raupendermatitis mit Juckreiz, Rötung, Quaddeln.
- Augen: Reizung, Bindehautentzündung.
- Atemwege: Husten, Halsschmerzen, in schweren Fällen Atemnot.
- Selten: allergische Reaktionen bis zum Kreislaufschock.
Besonders gefährdet: Kinder, Allergiker, Menschen im Außenbereich sowie Tiere wie Hunde und Pferde.
Erste Hilfe bei Kontakt
Wenn Sie mit Raupen oder Brennhaaren in Kontakt gekommen sind:
- Kleidung sofort wechseln und bei mindestens 60 °C waschen; im Freien ausziehen, nicht in der Wohnung ausschütteln.
- Haut und Haare gründlich abduschen, Augen mit klarem Wasser ausspülen.
- Nicht kratzen, das verteilt die Härchen weiter.
- Bei starkem Ausschlag, Augen- oder Atembeschwerden: Arzt aufsuchen; bei Atemnot oder Kreislaufproblemen den Notruf 112.
- Betroffene Haustiere zum Tierarzt bringen.
Was Sie auf keinen Fall selbst tun sollten
Selbstbeseitigung ist der häufigste Grund für schwere Reizungen. Niemals:
- Hochdruckreiniger: wirbelt Brennhaare großflächig auf.
- Abflammen: Brand- und Haarfreisetzungsgefahr.
- Haushaltsstaubsauger: die Haare passieren den Filter.
- Abschlagen/Abkehren der Nester.
Abstand halten, Bereich absperren, Kinder und Haustiere fernhalten.
Professionelle Entfernung: so arbeiten wir
Je nach Zeitpunkt auf zwei Wegen:
- Absaugung: Nester werden mit Spezialsaugern und Industriefiltern unter Vollschutz abgesaugt und sicher entsorgt, Standard bei vorhandenen Nestern.
- Biologische Behandlung: Früh, vor dem 3. Larvenstadium, mit einem zugelassenen Mittel (Bacillus thuringiensis) gegen die jungen Raupen.
Danach kontrollieren wir den Bereich. Haare am Boden bleiben eine Gefahr.
Rechtliches: Wer ist verantwortlich?
Als Baumeigentümer unterliegen Sie der Verkehrssicherungspflicht (§ 823 BGB). Geht von einem Nest Gefahr für Dritte aus, an Gehwegen, Spielplätzen, Schulen, müssen Sie handeln.
- Privatgrund: Der Eigentümer ist zuständig und trägt die Kosten.
- Öffentliche Bäume: Zuständig ist die Kommune: Befall dem Ordnungs- oder Grünflächenamt melden.
Vorbeugung
Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht, aber das Risiko sinkt durch:
- Frühe Kontrolle gefährdeter Eichen im Frühjahr.
- Natürliche Gegenspieler fördern: Meisen und Fledermäuse fressen Raupen. Nistkästen helfen.
- Pheromonfallen zur Überwachung des Falterflugs.
- Regelmäßige Baumkontrolle durch den Fachbetrieb.
Häufige Fragen
Wie gefährlich ist der Eichenprozessionsspinner für Menschen?
Die Brennhaare der Raupen enthalten das Nesselgift Thaumetopoein und lösen Hautausschläge, Juckreiz, Augen- und Atemwegsreizungen aus. In selteneren Fällen kommt es zu allergischen Reaktionen bis hin zum Kreislaufschock. Besonders gefährdet sind Kinder, Allergiker und Menschen, die im Freien arbeiten.
Wie erkenne ich einen Eichenprozessionsspinner?
Typisch sind weißlich-graue, kompakte Gespinstnester an Stamm und Astgabeln von Eichen sowie lange „Prozessionen" haariger Raupen, die sich Kopf an Kopf bewegen. Die Raupen haben eine dunkle Rückenlinie und lange weißliche Behaarung.
Was ist der Unterschied zur harmlosen Gespinstmotte?
Die Gespinstmotte überzieht ganze Sträucher und kleine Bäume mit weiten, schleierartigen Gespinsten und ist völlig ungefährlich. EPS-Nester sind dagegen dicht und kompakt und sitzen fast ausschließlich an Eichen.
Wann ist der Eichenprozessionsspinner am gefährlichsten?
Ab dem dritten Larvenstadium, meist ab Mai/Juni, bilden sich die Brennhaare. Von Juni bis August ist die Gefahr am höchsten. Alte, leere Nester bleiben jedoch über Jahre giftig.
Darf ich den Eichenprozessionsspinner selbst entfernen?
Nein, davon ist dringend abzuraten. Hochdruckreiniger, Abflammen oder Staubsauger wirbeln die Brennhaare auf und verschlimmern die Gefahr. Die Entfernung gehört in die Hände von Fachleuten mit Schutzausrüstung und Spezialgerät.
Wie wird der Eichenprozessionsspinner fachgerecht entfernt?
Vorhandene Nester werden mit Spezialsaugern und Industriefiltern unter Vollschutz abgesaugt und sicher entsorgt. Frühzeitig kann auch ein zugelassenes biologisches Mittel (Bacillus thuringiensis) gegen die jungen Raupen eingesetzt werden.
Was tun bei Hautkontakt mit den Brennhaaren?
Kleidung sofort wechseln und bei mindestens 60 °C waschen, Haut und Haare gründlich abduschen, Augen ausspülen und nicht kratzen. Bei starkem Ausschlag, Augen- oder Atembeschwerden zum Arzt; bei Atemnot den Notruf 112 wählen.
Wer zahlt die Entfernung des Eichenprozessionsspinners?
Auf privatem Grund trägt der Grundstückseigentümer die Kosten. Bei öffentlichen Bäumen ist die Kommune zuständig. Einen Befall sollten Sie dem Ordnungs- oder Grünflächenamt melden.
Muss ich einen Befall melden?
Einen Befall an öffentlichen Bäumen sollten Sie dem zuständigen Ordnungs- oder Grünflächenamt melden. Auf dem eigenen Grundstück besteht keine generelle Meldepflicht, aber wegen der Verkehrssicherungspflicht Handlungsbedarf, wenn Dritte gefährdet sind.
Sind auch Hunde und andere Tiere gefährdet?
Ja. Hunde, Pferde und andere Tiere können durch die Brennhaare ebenfalls schwere Reizungen an Maul, Haut und Atemwegen erleiden. Halten Sie Tiere von befallenen Bäumen fern und suchen Sie bei Symptomen den Tierarzt auf.
Kann man dem Eichenprozessionsspinner vorbeugen?
Einen vollständigen Schutz gibt es nicht, aber frühzeitige Kontrollen, das Fördern natürlicher Gegenspieler wie Meisen sowie Monitoring mit Pheromonfallen senken das Risiko und ermöglichen eine rechtzeitige Behandlung.

